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Teil 1: Hormone und Mastzellen
Als Frau fragt man sich kurz vor der Periode oft, wozu die ganzen prämenstruellen Beschwerden jeden Monat gut sein sollen. Der Alltag wird dadurch teilweise massiv erschwert.
Wichtig: Starke gesundheitliche Beeinträchtigungen vor der Periode sind nicht normal, nur weil es vielen Frauen so geht. Starkes PMS kann ein Hinweis für z.B. ein Hormonungleichgewicht oder Mikronährstoffmängel sein.
Das prämenstruelle Syndrom (PMS) umfasst das Beschwerdebild kurz vor der Regelblutung, die “Tage vor den Tagen”. Dabei kommt es in der 2. Zyklushälfte (Lutealphase) vermehrt zu psychischen und physischen Beeinträchtigungen wie Stimmungsschwankungen, Depressionen, Bauchschmerzen, Brustspannen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Hautausschlägen und Verstärkung von allergischen Erkrankungen.1–4
Bei diesen Symptomen wird man als Intoleranz-Betroffener schnell hellhörig. Sind das nicht fast dieselben Beschwerden wie bei einer Histaminose? (Informationen zu Histamin findest du im Artikel Histamin – unser Freund und Feind)
Und tatsächlich, es gibt sehr viele wissenschaftliche Paper und auch einige klinische Studien, die eine Beteiligung des Hormons Histamin am PMS nachweisen konnten.
Die Hormonkurven im gesunden weiblichen Zyklus
Zunächst ist es wichtig zu wissen, welche Hormone involviert sind und welchen Zeitpunkt des Zyklus sie dominieren.
Abbildung 1 Östradiol, FSH und LH haben ihren Höhepunkt zum Zeitpunkt des Eisprungs. Während Östradiol eher beide Zyklushälften dominiert, spielt Progesteron vor allem in der zweiten Zyklushälfte eine wichtige Rolle. Nachbildung anhand Quelle 19.19
Wie man Abbildung 1 entnehmen kann, sind für den weiblichen Zyklus die Hormone Progesteron, Östradiol, das follikelstimulierende Hormon (FSH) und das luteinisierende Hormon (LH) am wichtigsten. Es gibt noch weitere Botenstoffe, die am Zyklus beteiligt sind, spielen aber hier im Beitrag eine untergeordnete Rolle. Daher geht es hier hauptsächlich um diese vier Kandidaten.
Eigenschaften von Östradiol
- Wird auch Estradiol („E2“) genannt und gehört zusammen mit Estron („E1“) und Estriol (Estratriol „E3“) zu den Östrogenen6
- Ist zuständig für die Bildung und Entwicklung weiblicher Geschlechtsorgane und –merkmale6
- Trägt zur Knochen- und Zahngesundheit bei7,8
- Unterstützt das Gedächtnis und kognitive Fähigkeiten9
- Stimuliert LH und ist dadurch am Eisprung beteiligt10
- Wichtig für die Herz-Kreislauf-Gesundheit11
Eigenschaften von Progesteron
- Als “Wohlfühlhormon” bekannt12,13
- Erhöht die Basaltemperatur10
- Bereitet den Genitaltrakt zur eventuellen Einnistung und Reifung einer befruchteten Eizelle vor10
- Erhält eine Schwangerschaft aufrecht10
Eigenschaften des Follikelstimulierenden Hormons (FSH)
- Stimuliert die Reifung der Keimzellen6
Eigenschaften des Luteinisierenden Hormons (LH)
- Löst den Eisprung aus6
Einfluss von Sexualhormonen auf den Histaminstoffwechsel der Frau
Um herauszufinden ob Histamin im Menstruationszyklus der Frau eine Rolle spielt, hat F. Jonassen im Jahr 1976 für seine Studie bei insgesamt 9 Frauen während des Zyklus die Histaminmetaboliten Methylhistamin und Methylimidazolessigsäure im Urin bestimmt und kam zu äußerst interessanten Ergebnissen.
Denn obwohl nur eine Frau mit allergischer Erkrankung dabei war, wurden bei allen neun Studienteilnehmerinnen ein Anstieg der Histaminmetaboliten gemessen, wenn gleichzeitig auch die Östradiolwerte erhöht waren. Dies betrifft also hauptsächlich die Zeit des Eisprungs und der prämenstruellen Phase. Damit die Ergebnisse nicht von exogen zugeführtem Histamin verfälscht werden konnten, mussten alle Frauen eine histaminarme Ernährung einhalten.
Bei der Studienteilnehmerin mit der allergischen Hauterkrankung waren die Histaminmetaboliten sogar an jedem Messtag erhöht und erreichten in der prämenstruellen Phase noch höhere Werte. Das korrelierte auch mit ihren verstärkten Symptomen zu dieser Zeit.
Das Fazit seiner Untersuchung lautete, dass es bei vielen Frau im Verlauf der zweiten Zyklushälfte zu einer erhöhten Histaminausschüttung kommen kann, die mit der Höhe des Östradiolspiegels korreliert. Die Menge des Histamins variiert jedoch stark und ist abhängig vom jeweiligen Histaminstoffwechsel der Person.14
M. Kljakovic hat in seinem Artikel von 1997 von einer neuseeländischen Patientenumfrage des Karori Medical Centres berichtet, bei der man Gesundheitsdaten von insgesamt 210 Frauen verglichen hat. Die Hälfte der Patientinnen hatten ein ärztlich diagnostiziertes PMS.
Dabei kam man zu dem Ergebnis, dass Frauen mit PMS auch viel häufiger von allergischen Erkrankungen, wie allergischer Rhinitis und Ekzemen, betroffen sind, als die Frauen ohne PMS. Außerdem litten die Kinder der “PMS-Frauen” doppelt so häufig an allergischen Krankheiten.2
In einer Studie aus dem Jahr 2004 mit 42 Frauen hat man die Ergebnisse eines Allergie- Pricktest zu unterschiedlichen Zykluszeitpunkten verglichen. Dabei erzielte man die deutlichsten Allergiereaktionen zur Zyklusmitte, um den Eisprung herum, wenn Östrogen und LH erhöht waren.3
Im Jahr 1984 hat Paula B. Pendergrass in einer klinischen Studie bei 50 Frauen den Blutverlust während der Menstruation bestimmen lassen.
Zunächst zwei Monate ohne Medikation, und anschließend unter der Einnahme des Antihistaminikums “Chlorphenyramin Maleat” oder einem Placebo.
Die Gruppe mit dem Antihistaminikum zeigte einen signifikanten Rückgang der Blutungsmenge mit einem Unterschied von 10,32 g weniger Blut im Vergleich zur Placebo-Gruppe.15
Um sich das im Verhältnis zur Gesamtmenge besser vorstellen zu können: bis 60ml Blutverlust während der Regel wird als normal angesehen.16 Das wären also in der Studie von Paula Pendergrass ein Rückgang der Blutmenge um etwa 17%.
Woher kommt dieses endogene, also im Körper gebildete, Histamin?
In den Eierstöcken befinden sich Mastzellen, Basophile, Endothelzellen und auch Thrombozyten, die potenzielle Histaminlieferanten sind. Am besten sind hier die Mastzellen in den Ovarien erforscht.14
Mastzellen besitzen auf ihrer Membranoberfläche Rezeptoren über die verschiedene Substanzen unterschiedliche Mechanismen in Gang setzen können. So kann die Mastzelle z.B. aktiviert oder inhibiert (gehemmt) werden.
Wenn die Mastzelle aktiviert wird, dann schüttet sie mehrere hundert Botenstoffe aus (z.B. Histamin, Proteasen, Prostaglandine, Leukotriene, Zytokine, Chemokine). Dieser Vorgang wird auch Degranulation genannt.9 Die Zusammensetzung des “Mastzellcocktails” ist bei jeder Person etwas verschieden und bei einer Degranulation können auch selektiv nur bestimmte Mediatoren ausgeschüttet werden.13 Deshalb können die Symptome bei einer gesteigerten Mastzellaktivität auch so unterschiedlich ausgeprägt sein.
Die Auswirkungen der Hormone auf die Mastzelle
Die Mastzelle besitzt auch Rezeptoren für Hormone (Abbildung 2). Während Östradiol, LH und FSH eine mastzellaktivierende Eigenschaft besitzen, hat Progesteron einen beruhigenden Effekt auf diesen Zelltyp.17,18
Abbildung 2 Mastzellen besitzen Vesikel, die mit Mastzellmediatoren gefüllt sind (z.B. Histamin, Tryptase, Heparin uvm.). Die Hormone Östradiol, LH und FSH können die Mastzellen aktivieren, während Progesteron stabilisierend auf die Mastzellen wirkt.
Besteht bereits eine Histaminose, eine allergische Erkrankung oder eine Erkrankung der Mastzellen, können die Hormonpeaks zum Eisprung und gegen Zyklusende die gesundheitlichen Beschwerden verstärken.
Tiefergehende Informationen zur Physiologie und Pathophysiologie der Mastzelle sind im Beitrag “Die Mastzelle und ihre Hauptrolle bei Allergien” zusammengefasst.
Schau dir die Zusammenfassung der wichtigsten Informationen im Video an.
Und was hat das Ganze nun mit Schokolade zu tun?
Es gibt einige Lebensmittel, die ebenfalls zu einem erhöhten Histaminlevel beitragen. Dazu zählt u.a. auch die Schokolade. Wenn es dir also an den Tagen vor den Tagen sowieso schon nicht so gut geht, dann kann deine Lieblingsschoki den Zustand sogar noch weiter verschlechtern.
Tipps für eine angenehmere PMS-Zeit und viele Infos zur Östrogendominanz findest du im 2. Teil der Reihe “Histamin, PMS und warum Schokolade keine gute Idee ist“.
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