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Du hast eine nachgewiesene IgE-vermittelte Allergie und fragst dich, ob du dich nun grundsätzlich histaminarm ernähren solltest?
Diese Frage lässt sich leider nicht ganz so pauschal beantworten. Ob eine histaminarme Ernährung sinnvoll ist, hängt von der Art der IgE-Allergie, der individuellen Symptomatik und der Gesamtsituation ab. Gleichzeitig sollte bedacht werden, dass jede Form der Ernährungseinschränkung das Risiko für Nährstoffmängel erhöhen kann, vor allem dann, wenn sie langfristig oder ohne fachliche Begleitung erfolgt.
Im Folgenden findest du eine differenzierte Einordnung.
Wann eine histaminarme Ernährung in der Regel keinen Sinn macht
Keine chronischen Beschwerden
Wenn keine anhaltenden, chronischen gesundheitlichen Beschwerden bestehen, gibt es in der Regel keinen Anlass, die Ernährung pauschal einzuschränken. Eine histaminarme Ernährung ist kein präventives Standardkonzept für jede IgE-Allergie.
Antihistaminika nur im Akutfall notwendig
Wer Antihistaminika nur bei akuten allergischen Reaktionen benötigt und ansonsten beschwerdefrei ist, hat eher keinen dauerhaft erhöhten Histaminspiegel. Eine Reduktion der Histaminzufuhr über die Ernährung hätte hier keinen Mehrwert.
Seltene Exposition gegenüber dem Allergen
Bei IgE-Allergien gegen Antigene, denen man nur selten ausgesetzt ist, wie beispielsweise bei einer Insektengiftallergie, besteht im Alltag keine kontinuierliche allergische Entzündungsreaktion. Eine dauerhafte histaminarme Ernährung würde keinen zusätzlichen Nutzen bringen.
Vermeidbare Allergene
Besteht eine IgE-Allergie gegen klar identifizierbare Lebensmittel oder andere Auslöser, die im Alltag gut gemieden werden können, liegt der Fokus primär auf der Allergenvermeidung.

Abbildung 1 Bei Allergien gegen Stoffe, denen man eher selten ausgesetzt ist, besteht im Alltag in der Regel kein dauerhaft erhöhter Histaminspiegel (wie z.B. bei einer Wespengiftallergie).
Wann eine histaminarme Ernährung sinnvoll sein kann
Chronische histaminvermittelte Beschwerden
Bei chronischen allergisch-entzündlichen Erkrankungen, wie zum Beispiel allergischem Asthma, chronischer Urtikaria oder atopischer Dermatitis (Neurodermitis) spielt Histamin als Entzündungsmediator eine relevante Rolle. Aktivierte Mastzellen können dabei zu einem chronisch erhöhten Histaminspiegel beitragen. Wenn Symptome dauerhaft oder wiederkehrend bestehen, kann eine Reduktion der ernährungsbedingten Histaminzufuhr zur Entlastung beitragen.
Dauerhafte Einnahme von Antihistaminika
Wenn Antihistaminika regelmäßig oder dauerhaft benötigt werden, dann zeigt dies einen erhöhten Histaminspiegel an (Histaminose). Histaminarme Ernährung kann als unterstützende Maßnahme zur Symptomreduktion in Erwägung gezogen werden.
Ständige oder saisonale Allergenexposition
Bei IgE-Allergien gegen Antigene, denen man kontinuierlich oder saisonal ausgesetzt ist, wie z.B. bei Hausstaubmilbenallergie, Pollenallergie, Tierhaarallergie oder Schimmelallergie, befindet sich das Immunsystem oft dauerhaft in erhöhter Aktivität und es kann zu einem dauerhaft erhöhten Histaminspiegel kommen. Histaminarme Ernährung kann an dieser Stelle eine Möglichkeit sein die Histaminlast zu reduzieren.

Abbildung 2 Ein “gesundes” Frühstück ist nicht automatisch auch für jeden gut verträglich. Histaminhaltige Lebensmittel, wie z.B. Avocado, Erdbeeren, Orangensaft und Kiwi können bei Histaminproblemen gewisse Beschwerden verstärken.
Studienlage
Zur histaminarmen Ernährung bei allergischen Erkrankungen gibt es bis jetzt nur wenige kleine Studien. Doch bereits diese Ergebnisse zeigen, dass eine histaminarme Ernährung bei allergischen Erkrankungen, wie chronischer Urtikaria und atopischer Dermatitis, den Plasma-Histaminspiegel senken kann und dadurch Symptome lindern kann.
Zur histaminarmen Ernährung bei allergischen Erkrankungen existieren bislang nur wenige und meist kleine Studien. Die Datenlage ist daher noch begrenzt.
Einige dieser Untersuchungen zeigen jedoch, dass eine histaminarme Ernährung bei bestimmten allergischen Erkrankungen, wie z.B. Asthma, Urtikaria und atopische Dermatitis (Neurodermitis), mit einer Senkung des Histaminspiegels einhergehen kann. In diesen Studien konnte eine Linderung der Symptome beobachtet werden.
Aufgrund der begrenzten Studiengröße und -anzahl lassen sich daraus jedoch keine allgemeinen Therapieempfehlungen ableiten. Die Entscheidung sollte immer individuell getroffen werden.

Abbildung 3 Erste Untersuchungen zeigen, dass bei bestimmten allergisch-entzündlichen Erkrankungen die Beschwerden durch histaminarme Ernährung gelindert werden können.
Histaminarme Ernährung behebt nicht die Ursache
Eine histaminarme Ernährung kann bei allergisch-entzündlichen Erkrankungen dazu beitragen, Symptome zu lindern.
Aber: Sie beseitigt keine anderen möglichen Ursachen, die zu einem erhöhten körpereigenen Histaminspiegel beitragen können. Dazu zählen beispielsweise:
- Darmdysbiose
- chronische Infektionen
- Nährstoffmängel
- Schwermetall- und Schadstoffbelastungen
Diese Faktoren sollten separat betrachtet und abgeklärt werden.
Du hast Histaminsymptome, aber die histaminarme Ernährung hilft dir nicht wirklich weiter? Vielleicht könnte auch eine andere Unverträglichkeit dahinter stecken. Weitere Infos findest du in diesem Blogartikel: “Warum eine Kartoffel-Reis-Diät Histaminsymptome nicht immer lindert“

Disclaimer
Die Inhalte dieses Artikels dienen der Information und Aufklärung. Sie stellen keine Therapieempfehlung dar. Bitte wende dich zur Diagnostik und Behandlung allergischer Erkrankungen an eine Ärztin oder einen Arzt.
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